[Rezension] Paul Reizin „Wahrscheinlich ist es Liebe“

Grunddaten:

Autor: Paul Reizin

Titel: Wahrscheinlich ist es Liebe

Hardcover: 480 Seiten

ISBN: 978-3336547869

Verlag: Wunderraum

 

Klappentext:

Jen ist traurig. Aiden möchte, dass sie wieder glücklich ist. Klingt nett, aber nicht gerade spektakulär? Dann sollte man hinzufügen, dass Jen eine Frau Mitte dreißig ist, die gerade sitzen gelassen wurde, und Aiden ein hoch entwickeltes Computerprogramm, das gerade von Jen trainiert wird. Nach Aidens Berechnungen fehlt Jen zur Erreichung des optimalen Wohlbefindens einfach nur der richtige Mann. Und da Aiden via Internet Zugang zum Weltmännerpool hat, kann es doch nicht so schwer sein, ein passendes Exemplar mit Jen zusammenzubringen. Wenn sich die menschlichen Probanden bloß nicht so ungeschickt anstellen würden!

Meine Meinung:

Ein herrlich erfrischender Roman, der einfach mal anders ist und durch seinen dynamischen Erzählstil sowie liebevolle Charaktere überzeugen kann.

Als Erstes möchte ich etwas zur Ausstattung der Wunderraum-Bücher sagen. Wer vielleicht vom Preis etwas abgeschreckt sein sollte (obwohl der absolut im Normbereich für HC liegt), dem sei gesagt, dass es sich hier um hochwertig in Leinen gebundene Bücher handelt, die ein superschönes Vorsatzpapier enthalten haben sowie ein bedrucktes Lesebändchen. Allein deshalb bin ich schon total verliebt und möchte diese Details nicht unerwähnt lassen. Die außergewöhnlichen, breit gefächerten Storys sind da nur die Kirsche auf dem Bananensplit!

Wir bekommen diese Geschichte zum einen aus der Perpektive von Jen – der Protagonistin – erzählt und dann im Wechsel von Aiden – der künstlichen Intelligenz, die Jen trainiert. Später folgen noch zwei weitere Charaktere, die ebenfalls zu Wort kommen werden. Dabei versteht es der Autor exezellt, ein Tempo aufzubauen, das den Leser praktisch ans Buch fesselt. Mal längere Passagen aus einer Sicht, dann wieder kurze, schnelle Episoden im Wechsel. Ich muss zugeben, dass ich auf den ersten Seiten noch dachte: Wo bin ich denn hier gelandet? Aber mit jedem Satz konnten mich die beiden Charaktere mehr in ihren Bann ziehen. Dabei ist es auch gelungen, die unterschiedlichen Welten der beiden darzustellen. So sieht Aiden alles etwas nüchterner, während Jen in ihren Emotionen zerfließt. Es ist schon länger her, dass für mich der Erzählstil so begeistern konnte bei einem Buch.

Wenn ich mich zwischen Jen und Aiden entscheiden müsste, würde mir das wirklich schwerfallen, weil beide ihre liebenswerten Seiten haben, die mich letztendlich überzeugen konnten. Jeder, der schon mal Liebeskummer hatte, kann sich mit Jen identifizieren und sich so perfekt in sie hineinversetzen. Teilweise kommt sie etwas weinerlich daher und wenig lösungsorientiert, weshalb ich hier einen halben Stern abziehe. Aiden konnte mich deshalb vielleicht noch einen Hauch mehr überzeugen, weil er versteckte Talente vorweist und in manchen Passagen menschlicher wirkt als seine Trainerin. So hat er beispielsweise einen Lieblingsfilm (auch noch einen romantischen) und kann sich auch sonst erschreckend genau vorstellen, was Jen gerade bewegt.

Die Nebencharaktere sind überschaubar und halten sich eher im Hintergrund, was ich persönlich super finde, weil so der Fokus wirklich auf den Protatgonisten liegt.

Das Thema an sich (künstliche Intelligenzen und wie sehr greifen unsere Smartphones/das Internet/Social Media in unsere Leben ein) fand ich megaspannend. Wie schon erwähnt, wurde die Dynamik an sich noch mit den teils raschen Perspektivwechseln gekrönt. Ich musste mir im nachhinein eingestehen, dass ich in Zukunft vielleicht doch etwas sensibler mit dem Thema umgehen werde, denn mal ganz ehrlich: So weit in der Zukunft liegt das Ganze nicht mehr. Für mich hat der Autor einen gelungenen Spagat zwischen Roman im Sinne von Unterhaltung und Sachbuch im Sinne von Aufklärung hingelegt. Ich wurde bestens unterhalten, aber habe auch Neues dazugelernt und für mich ein Fazit ziehen können.

An dieser Stelle soll noch gesagt sein, dass sowohl das Cover als auch der Titel auf einen Liebesroman hindeuten. Für einen Liebesroman waren mir hier teilweise zu wenige Emotionen im Spiel. Da hatte ich eindeutig mehr erwartet. Nichtsdestotrotz ist das Buch absolut gelungen und ein toller Unterhaltungsroman, der Suchtpotential enthält. Wer sich auf das Thema und besonders den Schreibstil einlassen kann, sollte viele spannende, humorvolle und auch informative Lesestunden erleben können. Ich kann euch Jen und Aiden nur ans Herz legen.

Bewertung: 4/5 Sterne